Wussten Sie, dass…..ein Ukrainer das erste Kaffeehaus Europas eröffnet hat?

zur-blauen-flasche-lemberg6Der Ukrainer Yuri Kulchytski eröffnete im Jahr 1683 in Wien das erste Kaffeehaus. Seitdem streiten sich Ukrainer und Wiener über die Ursprünge der ersten europäischen Kaffeehäuser. Soweit es zurückverfolgt werden kann, hat ein ukrainischer Kriegsheld namens Yuri Kulczycki die erste Tasse Kaffee in Wien gebrüht, und zwar im Jahre 1683 in einem Lokal “zur blauen Flasche”.

Beide Länder beanspruchen seitdem den Gründerstatus für die europäische Kaffeehauskultur, auch wenn unbestritten ist, dass der Ort des ersten Kaffeehauses eindeutig Wien ist, war es immerhin der ukrainische Kosake Kulczycki der auf diese prächtige Idee kam. Das Wiener Kaffeehaus – meistens ein elegantes Lokal mit typischerweise hohen Decken, Marmortischen, vielen Zeitungen zu deren Lektüre man das schwarze Gebräu mit dem obligatorischen Glas Wasser zu sich nehmen kann, ist wahrscheinlich berühmter als sein ukrainischer Cousin, aber um die wahren Wurzeln der Kaffeehauskultur zu ergründen, sollte man die Stadt Lwiw (Deutsch: Lemberg) besuchen, eine mittelalterliche Stadt im Westen der Ukraine.

Kulczycki war Kosake (ein berittener Soldat) mit einem schrulligen Schnurrbart, der nach Wien kam, um dort nach Jahren auf dem Schlachtfeld und der türkischen Gefangenschaft, sein Glück zu versuchen. Als die osmanischen Truppen Wien belagerten, meldete er sich freiwillig als Bote für den polnischen König Sobiesky um Beistand für die Stadt Wien zu bitten. Er mußte sich durch den türkischen Belagerungsring schlagen, erreichte schließlich sein Ziel und rettete damit die Stadt 1683 während der Schlacht um Wien. Durch seinen langjährigen Aufenthalt in der Türkei sprach Kulczycki fließend Türkisch und kleidete sich mittlerweile auch wie ein osmanischer Kaufmann. Als es um die Belohnung für seine heldenhafte Tat ging, wollte er lediglich die Säcke mit grünen Bohnen haben, welche die Türken bei ihrer Flucht zurückgelassen hatten.

Kulczycki´s Kaffeehaus, in dem er seine Kaffeebohnen scharf röstete und, um den Geschmack angenehmer werden zu lassen, auch erstmals Milch und Zucker hinzufügte, existiert heute nicht mehr. Aber im ukrainischen Lemberg kann man die ursprüngliche Art des Kaffeehauses noch erleben, im dortigen Kaffeehaus “Zur blauen Flasche”.

zur-blauen-flasche-lemberg4Dieses Lokal finden Sie in einer kleinen Gasse abseits des Rynok Marktplatzes, entlang alter Häuser, bis Sie vor einer schweren Eichentür stehen. Oberhalb dieser Tür ist eine blaue Flasche als Emblem angebracht. Es ist nicht ganz einfach zu finden, aber die Suche danach lohnt sich sicher.

Natürliches Licht scheint durch ein kleines Fenster, in dem sonst Kerzenlichtatmosphäre vorherrscht. Kaffee wird dort im Still des 17. Jahrhunderts zubereitet: auf dem offenen Feuer in kleinen kupfernen Kannen mit langen Stielen. Der Brau-Stil unterscheidet sich etwas vom traditionellen türkischen Stil (dabei wird der Kaffee 3x aufgebrüht), hier ist der Kaffee fertig, wenn der erste Schaum schokoladig an die Oberfläche kommt.
Das Ambiente des Lokals ist einfach, fast kalt, der steinerne Innenraum ist mit österreich-ungarischen Wappen verziert, die Stühle sind sehr ursprünglich und wackeln leicht. Für Lemberger gilt es als Sünde Kaffee zum Mitnehmen zu bestellen. In Lemberg, der Kaffee-Hauptstadt der Ukraine, muß man Kaffee erleben, d.h. sich Hinsetzen und Verweilen, während man den Kaffee schlürft.

Ein weiteres Juwel ist das Cafe Nr. 1 in Lemberg (5 Katedralna Straße; Telefon: 380-32-242-3369), es befindet sich ganz in der Nähe der Boyim Kirche. Das Kaffeehaus ist mit alten Sofas, Spiegeln und etwas unförmigen Tischen ausgestattet und besonders bei der Lemberger Jugend beliebt, gerade wegen des exzentrischen “Zigeuner-Stils”, aber natürlich auch wegen des guten Kaffees, des leckeren Kirschkuchens und des Internetzugangs über WLAN.

Obwohl Lemberg mehr als 600 Cafés hat, wird oft kein Internet angeboten, wahrscheinlich um den mittelalterlichen Flair vieler Cafes nicht zu stören. Lemberg ist aber nicht nur bekannt für seine Kaffeekultur, es gibt auch ein reichhaltiges Angebot an Kuchen und Süßigkeiten (beeinflusst durch die Nähe zu Österreich und Polen). Eine typisch Lemberger Spezialität ist der Syrnyk Käsekuchen den man auf jeden Fall einmal probiert haben sollte. Als Lokal mit der besten Kaffee-Syrnyk Kombination können wir das Cukiernia empfehlen. Wenn Sie in Kiew zu Gast sind, sollten Sie einen Abstecher nach Lemberg in Betracht ziehen und überraschen Sie “Ihre” ukrainische Frau mit tiefgreifenden Kenntnissen über die ukrainische Kaffeehauskultur 🙂